Das Pelzverbot im Ständerat

15.01.26

Die Pelz-Initiative und der Gegenvorschlag des Bundesrates wurden am Donnerstag, dem 15. Januar 2026, in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerates (WBK-S) beraten.

Zunächst wurden die Pelzproduzenten von der Kommission angehört. Der Präsident von Swissfur und der CEO der International Fur Federation wurden von Steen Henrik Møller von der Universität Aarhus (Dänemark) begleitet. Er gehört zu den Wissenschaftlern, die an der Entwicklung des WelFur-Programms mitgewirkt haben, das seit 2010 Haltungsstandards festlegt, die angeblich das Wohlergehen von Füchsen und Nerzen in der Pelztierhaltung gewährleisten sollen.
Nachdem es den Pelzproduzenten im September 2025 nicht gelungen war, ihr Zertifizierungssystem Furmark im Nationalrat als Referenz für den Tierschutz anerkennen zu lassen, bestand ihr Ziel darin, den Ständerat davon zu überzeugen, den Gegenvorschlag zu ihren Gunsten zu ändern, indem Furmark erneut als Referenz für das Tierwohl eingeführt wird, anstelle des vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ausgearbeiteten Programms, wie es im Gegenvorschlag vorgesehen ist.

Das Initiativkomitee der Pelz-Initiative, vertreten durch die Organisationen Animal Trust und Animal équité, schloss die Anhörungen der Kommission ab. Nach einer kurzen Vorstellung der Pelz-Initiative erinnerte das Komitee daran, dass die von den Pelzproduzenten angeblich tierschutzkonformen Programme von den Pelzproduzenten selbst erarbeitet werden, mit Unterstützung von Wissenschaftlern, die für diese Industrie arbeiten oder in der Regel von ihr finanziert werden. Zahlreiche Undercover-Recherchen von Tierschutzorganisationen zeigen anhand von Bildmaterial, dass die Standards dieser Labels, insbesondere WelFur, von den Pelzproduzenten nicht eingehalten werden, ohne dass diese ernsthaften Kontrollen oder Sanktionen durch die für die Überwachung dieser Programme zuständigen Stellen ausgesetzt wären.
Der Bericht vom 30. Juli 2025 der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die von der Europäischen Kommission beauftragt wurde, die Haltungs- und Zuchtmethoden von Pelztierfarmen in Europa im Rahmen der Bürgerinitiative Fur Free Europe zu analysieren, fällt ebenfalls sehr kritisch gegenüber dieser Industrie aus. Die EFSA-Experten für Tiergesundheit schreiben, dass keine der derzeitigen Haltungsformen in der Pelztierhaltung den Tierschutzstandards entspricht. Die Belastungen für Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas sind systemisch und lassen sich unter den heutigen Praktiken nicht vermeiden. Diese Kritik betrifft auch Betriebe, die unter Labels wie WelFur produzieren, welche angeblich eine bessere Haltung als Standardbetriebe garantieren sollen.

Aus diesen Gründen und sofern der Ständerat eine wirksame Umsetzung des Gegenvorschlags anstrebt, ist es entscheidend, dass die Kriterien zur Festlegung, welche Methoden dem Tierwohl widersprechen, in der Zuständigkeit der Bundesbehörde bleiben, über das vom BLV ausgearbeitete Zertifizierungsprogramm und das dazugehörige Pflichtenheft.

Im Anschluss an die Anhörungen könnte die WBK-S ihre Entscheidung an ihrer nächsten Sitzung am 1. oder 2. Februar 2026 treffen. Der Text des Gegenvorschlags wird anschliessend dem Plenum der 46 Mitglieder des Ständerates zur Abstimmung unterbreitet, voraussichtlich während der Frühjahrssession des Parlaments vom 2. bis 20. März 2026.

Pelztierfarm Madzherito Mink Farm in Bulgarien, WelFur-zertifiziert. Foto aufgenommen im Jahr 2022.

Pelztierfarm Madzherito Mink Farm in Bulgarien, WelFur-zertifiziert. Foto aufgenommen im Jahr 2022.

Pelztierfarm Madzherito Mink Farm in Bulgarien, WelFur-zertifiziert. Foto aufgenommen im Jahr 2022.